Offener Brief des Kinder- und Jugendrings zur Jugendarbeit in Radevormwald

An die

Stadtratsfraktionen CDU, SPD, UWG, FDP und AL

sowie

den  Bürgermeister Herr Dr. Korsten

Radevormwald, 06.04.2011

Offener Brief zum Thema Jugendarbeit in Radevormwald

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Radevormwalder Kinder- und Jugendring versteht sich als Dachorganisation der freien Träger der Radevormwalder Jugendarbeit. In dieser Funktion  wenden wir uns heute an Sie, weil wir in der Entwicklung der Jugendarbeit in Radevormwald ungute Tendenzen feststellen.

In den vergangenen Jahren gab es in Radevormwald unterschiedliche Ansätze von Seiten der Politik und Verwaltung, die Interessen von Jugendlichen stärker in den Fokus zu rücken. Hier sei erinnert an die Einsetzung eines Jugendparlaments, eine große Befragung von Jugendlichen und zuletzt an das Projekt „Jugend spricht für sich“.  In allen Fällen wurde den Jugendlichen suggeriert, dass ihre Interessen Grundlage politischen Handelns werden sollen. Leider sind alle Ansätze diesbezüglich im Sande verlaufen.

Als Beispiel soll hier die Schaffung von Freiflächen für Jugendliche genannt werden. In der letzten Wahlperiode hat die Arbeitsgemeinschaft nach §78 SGB VIII „Familienfreundliches Radevormwald“  die Notwendigkeit von sozialen Begegnungsräumen für Jugendliche festgestellt. In diesem Zusammenhang hat auch die Initiative „Rade rollt“ wiederholt Anläufe unternommen, für Skater einen Platz zu schaffen. Im Kommunalwahlkampf 2009 war dieses jugendrelevante Thema präsent und wurde von den Wahlkämpfern wohlwollend aufgenommen. Es gab sogar einen Lösungsansatz, in dem eine Fläche unterhalb der Turnhalle Lessingstr. auf Eignung geprüft werden sollte. Von diesem Ansatz ist heute aus unterschiedlichen Gründen keine Rede mehr. Dies für sich alleine genommen wäre kein Problem. Zum Problem wird es erst, weil heute auch nicht mehr über Alternativen nachgedacht wird. Wenn Politik und Verwaltung so handelt wie hier beschrieben, verlieren die Handelnden in den Augen der Betroffnen ihre Glaubwürdigkeit und der Politikverdrossenheit unter Jugendlichen wird Vorschub geleistet.

Das Thema soziale Begegnungsräume für Jugendliche ist auch unter einem anderen Aspekt von besonderer Bedeutung. Zunehmend weniger Jugendliche verbringen ihre Freizeit in festen Organisationsstrukturen wie Vereinen. Sie möchten bei niederschwelliger sozialer Kontrolle die Gestaltung selbst organisieren. Ein Beispiel hierfür war die „wilde“ BMX-Strecke am Obern Kümpel, die auf Privatgelände angelegt war und mittlerweile geschlossen ist. Ein Ersatz ist nicht in Sicht. Nun hat sich diesem Thema die Fraktion von „Pro NRW“ angenommen. Hier könnte die rechtspopulistische Organisation bei Jugendlichen punkten. Das kann von Ihnen keiner wollen. Verhindern Sie durch Ihr Engagement in der Jugendpolitik, dass sich „Rattenfänger“ als Kümmerer aufspielen können.

Eine ähnliche Gefahr sehen wir durch den Wegfall einer Stelle (Britta Hallek) in der Jugendarbeit. Der Jugendtreff „life“ hat durch die veränderte Personalsituation im  Jugendamt an Bedeutung verloren. Es gibt keine feste Ansprechperson für Jugendliche in den Wuppervororten mehr. Gleichzeitig nehmen jugendliche Störaktionen bis hin zu Straftaten in diesem Bereich zu. Und wenn man den Presseverlautbarungen glauben darf, ist auch hier ausländerfeindliches Gedankengut mit von der Partie.

Wir bitten Sie, unterstützen Sie uns durch Ihr Handeln bei dem Bemühen, dass Angebot für Jugendliche in Radevormwald auszubauen. Tragen Sie dazu bei, die Glaubwürdigkeit von politisch Handelnden  zu verbessern. Überlassen Sie dieses zukunftsträchtige Thema nicht undemokratischen Kräften.

Die Jahreshauptversammlung

i.A. Reiner Klausing

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