Ein-Euro-Jobs laut Bundesrechnungshof nahezu wirkungslos für Arbeitnehmer

Irgendwie erscheint es einem befremdlich, wenn der Bundesrechnungshof seine interne Studie zu den fast 280.000 Ein-Euro-Jobs in der Republik und deren Nutzen anprangert. Zusammenfassend stellt der BRH unter anderem fest:

  • Viele Firme nutzen Ein-Euro-Jobs nicht im Rahmen der vorgesehenen Konditionen. So stellen die Anstellungen in den seltensten Fällen zusätzliche Arbeiten dar, sondern ersetzen eine richtige und komplette Anstellung. Der Vorteil für den Arbeitgeber liegt auf der Hand: Lohnnebenkosten sind quasi nicht vorhanden, de facto handelt es sich von den Jobcentern verordnete Zwangsarbeit.
  • Die dadurch erzielten Einsparungen veranlassen viele Arbeitgeber sich auf diese billigen Arbeitskräfte zu stützen, ihre Preise damit zu kalkulieren und den Wettbewerb dadurch auszustechen. Dies sind klare Charakteristika von Wettbewerbsverzerrung. Dies soll eigentlich nicht vorkommen. Viele Jobcenter sind hier allerdings schlampig in der Prüfung, überfordert oder im Vorfeld nicht überprüfend genug.
  • In den allerseltensten Fällen werden durch Ein-Euro-Jobs neue Anstellungen generiert. Eine neue Stelle erlangen dadurch nahezu keine Ein-Euro-Jobber. Es wird lieber der nächste Ein-Euro-Jobber eingestellt. Sehr wenige Unternehmen haben aus diesem Wege die Chance ergriffen, einen bereits eingearbeitete Arbeitskraft in ein festes Beschäftigungsverhältnis zu bringen, so der Bundesrechnungshof.
  • Die Regierung, die sich mit ihren Meldungen über sinkende Arbeitslosenzahlen vor einigen Tage selbst in den Himmel gelobt hat, rechnet diese über eine viertel Million Menschen aus Ihren Statistiken raus, obwohl diese als Hartz-IV-Empfänger nicht im wirklichen Sinne eine zufriedenstellende Anstellung gefunden haben oder vermittelt bekommen.

Zusammengefasst ist die Idee hinter dem Ein-Euro-Job mit viel Wohlwollen zwar gut gemeint, aber in der Praxis dadurch noch lange nicht gut gemacht. Hier werden Hartz-IV-Empfänger für einen Appel und ein Ei als Dumping-Arbeitskräfte an Unternehmen gegeben, die stelleweise ihre Stammbelegschaft dadurch entlassen, den Wettbewerb durch günstigere Preise ausstechen können, de facto kein Lohnnebenkosten für diese Mitarbeiter haben und diese dann als arbeitsfördernde Maßnahme noch nicht einmal bei guter Arbeit in eine Festanstellung erlösen.

Wir haben also ein Ausbeuter-Modell, dass durch überforderte oder wegschauende JobCenter gedeckelt wird, dessen Erfolg herbeigeredet wird und dessen Existenz aus den Arbeitslosenzahlen herausgerechnet wird.

Den Ein-Euro-Jobbern geht es oft nicht um das Beschäftigungsverhältnis, die damit verbundene Hoffnung vielleicht über diesen Weg wieder einen Job zu bekommen. Die Verteilung der Jobs scheint an dieser Stelle wahllos, oft nicht geprüft. Es geht vielen so, dass dies als Pflicht angesehen wird, da sonst Hartz-IV-Kürzungen drohen. Hier wird mit der Not der Menschen aufs widerlichste Geschäfte gemacht.

Die genannten Probleme sind nun keine Neuen, die Befürchtungen gab es von Anfang an. Sie wurden mit der Notwenigkeit niedergeredet, dass Empfänger von Transferleistungen einen Beitrag zum öffentlichen Gemeinwohl leisten können. Nun ist es belegt genauso eingetreten wie befürchtet. Wird sich daran etwas ändern? Ich glaube nicht. Es wird genau wie bei den Leiharbeitsfirmen und deren Nutzung in der freien Wirtschaft kommen. Diese waren auch einmal angedacht um Anlauf zur Festanstellung zu sein.

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hartz-iv-maengel-bei-der-arbeitsvermittlung-rechnungshof-giftet-gegen-ein-euro-jobs-1.1023715

by patrick.ratzmann at 02. December 2010 04:00 PM

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